2026
YOUR PLACE AT THE TABLE
Group exhibition with HOLOBIONT
Berlin Art Week, RWK Zehlendorf · September
Text: Claire Rüffer
YOUR PLACE AT THE TABLE
Dein Platz am Tisch
Gruppenausstellung mit HOLOBIONT
Berlin Art Week, RWK Zehlendorf · September
Text: Claire Rüffer
YOUR PLACE AT THE TABLE
Dein Platz am Tisch
Group exhibition with HOLOBIONT
Berlin Art Week, RWK Zehlendorf · September
Text: Claire Rüffer

Franziska Katharina Röhrs ist Initiatorin der gruppierten Gruppenshow HOLOBIONT. Für die Laufzeit der Ausstellungen stellt sie ihr Studio als Common Area und Raum für Performances zur Verfügung. Als kreative Direktorin von 3CA gehört es zu ihren Aufgaben, Räume und Möglichkeiten für Künstler*innen zu schaffen und Plattformen für die Sichtbarkeit anderer zu ermöglichen. Zugleich ist sie selbst Künstlerin. In diesem Raum verhandelt Röhrs Fragen der Sichtbarkeit: Wer wird gesehen, wer bekommt eine Plattform, who gets a place at the table? Fragen, die sie nicht nur an Besucher*innen stellt, sondern auch an sich selbst und ihre eigene doppelte Rolle als Künstlerin und Organisatorin.
In Anlehnung an Judy Chicagos Installation The Dinner Party (1974–79) bildet ein opulent gedeckter, dreieckiger Tisch den Fokuspunkt des Raumes. Mit ihrem für 39 wegweisende Frauen der Weltgeschichte gedeckten Tisch schuf Chicago einen symbolischen „Platz am Tisch“ für jene, die historisch vergessen und systematisch ausradiert wurden. Der Tisch wird dabei zur Metapher sozialer Ordnung, zum Verweis auf Zugehörigkeit, darauf, wer ein- oder ausgeladen wird, wer sich selbst einlädt und wer den Tisch deckt, damit andere daran Platz nehmen können.
Franziska Katharina Röhrs ist Initiatorin der gruppierten Gruppenshow HOLOBIONT. Für die Laufzeit der Ausstellungen stellt sie ihr Studio als Common Area und Raum für Performances zur Verfügung. Als kreative Direktorin von 3CA gehört es zu ihren Aufgaben, Räume und Möglichkeiten für Künstler*innen zu schaffen und Plattformen für die Sichtbarkeit anderer zu ermöglichen. Zugleich ist sie selbst Künstlerin. In diesem Raum verhandelt Röhrs Fragen der Sichtbarkeit: Wer wird gesehen, wer bekommt eine Plattform, who gets a place at the table? Fragen, die sie nicht nur an Besucher*innen stellt, sondern auch an sich selbst und ihre eigene doppelte Rolle als Künstlerin und Organisatorin.
In Anlehnung an Judy Chicagos Installation The Dinner Party (1974 bis 1979) bildet ein opulent gedeckter, dreieckiger Tisch den Fokuspunkt des Raumes. Mit ihrem für 39 wegweisende Frauen der Weltgeschichte gedeckten Tisch schuf Chicago einen symbolischen „Platz am Tisch“ für jene, die historisch vergessen und systematisch ausradiert wurden. Der Tisch wird dabei zur Metapher sozialer Ordnung, zum Verweis auf Zugehörigkeit, darauf, wer ein- oder ausgeladen wird, wer sich selbst einlädt und wer den Tisch deckt, damit andere daran Platz nehmen können.
Franziska Katharina Röhrs is the initiator of HOLOBIONT, a group show made up of several exhibitions. For the duration of the exhibitions, she opens her studio as a common area and a space for performances. As creative director of 3CA, part of her role is to create spaces and opportunities for artists and to build platforms that make others visible. At the same time, she is an artist herself. In this room, Röhrs negotiates questions of visibility: Who is seen, who is given a platform, who gets a place at the table? Questions she asks not only of visitors but also of herself and of her own double role as artist and organiser.
Drawing on Judy Chicago’s installation The Dinner Party (1974 to 1979), an opulently laid, triangular table forms the focal point of the room. With her table set for 39 pioneering women of world history, Chicago created a symbolic “place at the table” for those who were historically forgotten and systematically erased. The table becomes a metaphor for social order and a reference to belonging: to who is invited or left out, who invites themselves and who sets the table so that others can take their seats.


Röhrs transportiert Chicagos Tisch-Metapher in die Gegenwart, in den Kontext von HOLOBIONT. Denn auch in diesen Räumen stellte sich die Frage: Wer bekommt einen Platz am Tisch?
Eine Stoffbahn erstreckt sich im Raum. Auf dem mit Lavendeldruckverfahren entstandenen Textil stehen, schwarz auf blau, die Namen der „unsichtbaren“ Unterstützer*innen von HOLOBIONT. Mieter*innen, Aufbaupersonal, Ideengeber*innen, Geldgeber*innen werden durch die Aufführung ihrer Namen aus der Anonymität geholt und sichtbar gemacht. Ihre Nennung wird zum symbolischen Akt für all jene Menschen, deren geleistete Arbeit hinter dem sichtbaren Ergebnis verschwindet. Personen, die es aufgrund fehlender Netzwerke nicht auf die Kunsthochschule oder Gästeliste schaffen, keine Sponsoren oder Nannys haben, deren individuelle Leistung übersehen und deren Tischkarten vergessen wurden.
An der Wand hängen rosa Bilderrahmen – doch anstatt auf Kunstwerke schauen Betrachter*innen auf die dahinterliegende Wand. Ein beigefügtes Werkverzeichnis enthält eine Auflistung der Preise der autorenlosen Werke, die scheinbar willkürlich gewählt wurden. Warum Werke mit identischen Maßen und Materialien radikal unterschiedlich bepreist sind, wird nicht offengelegt. Mit wessen Kunst müssten die Leerstellen gefüllt werden, um den Preis zu legitimieren? Warum wird die im gleichen Rahmen geleistete Arbeit der*des einen als wertvoller empfunden als der*des anderen? Damit berührt Röhrs eine Frage, die weit über den Kunstmarkt hinausweist, die nicht nur Produkte oder Arbeit, sondern ebenso Körper und Identitäten betrifft: Wie entsteht Wert und wer besitzt die Autorität, ihn festzulegen?
Röhrs transportiert Chicagos Tisch-Metapher in die Gegenwart, in den Kontext von HOLOBIONT. Denn auch in diesen Räumen stellte sich die Frage: Wer bekommt einen Platz am Tisch?
Eine Stoffbahn erstreckt sich im Raum. Auf dem mit Lavendeldruckverfahren entstandenen Textil stehen, schwarz auf blau, die Namen der „unsichtbaren“ Unterstützer*innen von HOLOBIONT. Mieter*innen, Aufbaupersonal, Ideengeber*innen, Geldgeber*innen werden durch die Aufführung ihrer Namen aus der Anonymität geholt und sichtbar gemacht. Ihre Nennung wird zum symbolischen Akt für all jene Menschen, deren geleistete Arbeit hinter dem sichtbaren Ergebnis verschwindet. Personen, die es aufgrund fehlender Netzwerke nicht auf die Kunsthochschule oder Gästeliste schaffen, keine Sponsoren oder Nannys haben, deren individuelle Leistung übersehen und deren Tischkarten vergessen wurden.
An der Wand hängen rosa Bilderrahmen, doch anstatt auf Kunstwerke schauen Betrachter*innen auf die dahinterliegende Wand. Ein beigefügtes Werkverzeichnis enthält eine Auflistung der Preise der autorenlosen Werke, die scheinbar willkürlich gewählt wurden. Warum Werke mit identischen Maßen und Materialien radikal unterschiedlich bepreist sind, wird nicht offengelegt. Mit wessen Kunst müssten die Leerstellen gefüllt werden, um den Preis zu legitimieren? Warum wird die im gleichen Rahmen geleistete Arbeit der*des einen als wertvoller empfunden als der*des anderen? Damit berührt Röhrs eine Frage, die weit über den Kunstmarkt hinausweist, die nicht nur Produkte oder Arbeit, sondern ebenso Körper und Identitäten betrifft: Wie entsteht Wert und wer besitzt die Autorität, ihn festzulegen?
Röhrs carries Chicago’s table metaphor into the present, into the context of HOLOBIONT. For in these spaces, too, the question arose: Who gets a place at the table?
A length of fabric stretches across the room. On the textile, made using a lavender printing process, the names of HOLOBIONT’s “invisible” supporters appear in black on blue. Tenants, installation crew, people who contributed ideas and funders are brought out of anonymity and made visible by having their names listed. Naming them becomes a symbolic act for all those whose work disappears behind the visible result: people who, lacking networks, do not make it into art school or onto the guest list, who have no sponsors or nannies, whose individual achievements are overlooked and whose place cards were forgotten.
Pink picture frames hang on the wall, but instead of artworks, viewers look at the wall behind them. An accompanying list of works gives the prices of these authorless works, which appear to have been chosen at random. Why works of identical dimensions and materials are priced so radically differently is not revealed. Whose art would have to fill the empty spaces to justify the price? Why is the work of one person, done within the same frame, perceived as more valuable than that of another? Röhrs thus touches on a question that reaches far beyond the art market and concerns not only products or labour but also bodies and identities: How is value created, and who holds the authority to determine it?


Auch Röhrs’ eigene Arbeiten bleiben im Raum zunächst versteckt. Als würden sie nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen, verbergen sie sich hinter semi-transparenten Vorhängen, darunter auch drei Werke aus der Serie Unbewusstes Entwirren (2025/26). Kühne, pastose Ölschichten treffen auf fragile Motive und schaffen ein für Röhrs’ Arbeiten typisches Gefühl von körperlicher Dringlichkeit und emotionaler Verletzbarkeit. Die Werke entstehen durch das Zerschneiden und Neuarrangieren älterer Ölgemälde von Röhrs, wobei der Schaffensprozess zentral ist: Durch die teils schmerzhafte Zerstörung des Alten, die Reflexion über vergangene Zustände und das anschließende Neusortieren, erlaubt sich Röhrs, persönliche Glaubenssätze zu verhandeln und neue Sinnesbezüge zu schaffen. Für sie ist es ein Prozess des „Sich-Anfreundens mit den eigenen inneren Dämonen“. Auch materiell verhandeln die Werke die Frage der Sichtbarkeit. Manchmal überdeckt schweres Weiß collagierte Formen und Reliefs entstehen. In anderen Fällen kehrt sich das Ganze um und figürlich freigekratzte Stellen legen darunterliegende Farbschichten frei. Wie der Vorhang, hinter dem die Werke hängen, der zunächst nur Umrisse erkennen lässt, gibt sich der Inhalt der Werke nicht sofort preis. Sie fordern dazu auf, genauer hinzusehen, und unterstreichen damit die Schwelle zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit.
Auch Röhrs’ eigene Arbeiten bleiben im Raum zunächst versteckt. Als würden sie nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen, verbergen sie sich hinter semi-transparenten Vorhängen, darunter auch drei Werke aus der Serie Unbewusstes Entwirren (2025/26). Kühne, pastose Ölschichten treffen auf fragile Motive und schaffen ein für Röhrs’ Arbeiten typisches Gefühl von körperlicher Dringlichkeit und emotionaler Verletzbarkeit. Die Werke entstehen durch das Zerschneiden und Neuarrangieren älterer Ölgemälde von Röhrs, wobei der Schaffensprozess zentral ist: Durch die teils schmerzhafte Zerstörung des Alten, die Reflexion über vergangene Zustände und das anschließende Neusortieren, erlaubt sich Röhrs, persönliche Glaubenssätze zu verhandeln und neue Sinnesbezüge zu schaffen. Für sie ist es ein Prozess des „Sich-Anfreundens mit den eigenen inneren Dämonen“. Auch materiell verhandeln die Werke die Frage der Sichtbarkeit. Manchmal überdeckt schweres Weiß collagierte Formen und Reliefs entstehen. In anderen Fällen kehrt sich das Ganze um und figürlich freigekratzte Stellen legen darunterliegende Farbschichten frei. Wie der Vorhang, hinter dem die Werke hängen, der zunächst nur Umrisse erkennen lässt, gibt sich der Inhalt der Werke nicht sofort preis. Sie fordern dazu auf, genauer hinzusehen, und unterstreichen damit die Schwelle zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit.
Röhrs’ own works, too, initially remain hidden in the room. As if they did not want to draw too much attention to themselves, they hide behind translucent curtains, among them three works from the series Unbewusstes Entwirren [Unconscious Untangling] (2025/26). Bold, impasto layers of oil meet fragile motifs, creating the sense of physical urgency and emotional vulnerability typical of Röhrs’ work. The works are made by cutting up and rearranging older oil paintings by Röhrs, and the process of making is central: through the sometimes painful destruction of the old, reflection on past states and subsequent reordering, Röhrs allows herself to negotiate personal beliefs and to create new connections of meaning. For her, it is a process of “making friends with one’s own inner demons”. Materially, too, the works negotiate the question of visibility. Sometimes heavy white covers collaged forms and reliefs emerge. In other cases the opposite happens, and figurative areas scratched free reveal the layers of paint underneath. Like the curtain behind which the works hang, which at first reveals only outlines, the content of the works does not give itself away immediately. They invite a closer look and so underline the threshold between visibility and invisibility.

Anhand der Positionierung ihrer eigenen Werke im Raum wird deutlich, wie sehr dieser auch ein Verhandlungsort Röhrs’ eigener Identität ist. Als kreative Direktorin schafft sie Bedingungen für andere Kunstschaffende und muss sich zugleich selbst fragen, wie viel Platz sie für ihre eigene künstlerische Arbeit beanspruchen darf, kann oder sollte. Ihre Position bleibt dabei stets uneindeutig. Sie ist Gastgeberin und Ausstellende, Organisatorin und Künstlerin zugleich.
Your place at the table wird damit auch zu einer Frage an sie selbst: Wann wird Fürsorge für andere zur Unsichtbarkeit der eigenen Arbeit? Wie viel Raum gibt man anderen und wann muss man sich selbst einen Platz nehmen?
Eine Musikinstallation von Daledor begleitet den Raum.
Text: Claire Rüffer
Anhand der Positionierung ihrer eigenen Werke im Raum wird deutlich, wie sehr dieser auch ein Verhandlungsort Röhrs’ eigener Identität ist. Als kreative Direktorin schafft sie Bedingungen für andere Kunstschaffende und muss sich zugleich selbst fragen, wie viel Platz sie für ihre eigene künstlerische Arbeit beanspruchen darf, kann oder sollte. Ihre Position bleibt dabei stets uneindeutig. Sie ist Gastgeberin und Ausstellende, Organisatorin und Künstlerin zugleich.
Your place at the table wird damit auch zu einer Frage an sie selbst: Wann wird Fürsorge für andere zur Unsichtbarkeit der eigenen Arbeit? Wie viel Raum gibt man anderen und wann muss man sich selbst einen Platz nehmen?
Eine Musikinstallation von Daledor begleitet den Raum.
Text: Claire Rüffer
The way her own works are positioned in the room makes clear how much this space is also a site where Röhrs negotiates her own identity. As creative director, she creates conditions for other artists and at the same time has to ask herself how much space she may, can or should claim for her own artistic work. Her position always remains ambiguous: she is host and exhibitor, organiser and artist at once.
Your place at the table thus also becomes a question addressed to herself: When does caring for others turn into the invisibility of one’s own work? How much space do we give others, and when do we have to claim a place for ourselves?
A music installation by Daledor accompanies the room.
Text: Claire Rüffer, translated from German
